Konvertiert

oder: Die Wiederentdeckung der Musik.

Jeder hat besondere Musik die sie oder ihn über Jahre, wenn nicht sogar über Jahrzehnte begleitet. Und die technologischen Sprünge der letzten 30 Jahre haben es möglich gemacht, dieselbe Musik immer wieder neu zu erleben und zu entdecken. Wer die 80er noch kennt, hat manche Scheibe zuerst als privates Bootleg auf Kassette kennengelernt. Danach kam das Vinyl-Original, das weniger rauschte und auf dem Percussion und Schlagzeug fast schon auseinanderzuhören waren. Ein besserer Plattenspieler löste dieses Versprechen dann endgültig ein, bevor: die CD kam und alle ohne Rauschen und Knacksen spielte. Faszinierend? Ja, aber speziell am Anfang auch etwas steril und leblos.

Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert, denn die Verbreitungsformen haben sich geändert – heute wird gestreamt – aber die digitale Musik selbst ist noch immer die gleiche (eventuell sogar durch Kompression verschlechtert). Wir können jetzt zwar alles und überall ohne Tonträger hören – aber nicht besser. Ist auch nicht nötig, mögen jetzt Kritiker einwerfen – schon der Red-Book-Standard der CD ist so gut, dass das menschliche Gehör mit dem Ton-Angebot mehr als reichlich bedient ist. 

Das klingt schlüssig, und auch in meiner Wahrnehmung hat sich lange nicht mehr viel getan in Sachen digitaler Klangqualität. Ja, seit den Ursprüngen der CD ist er Sound besser und natürlicher geworden, aber eben nur in Trippelschritten. Es klingt immer noch „gut“ – und immer noch ein wenig blutleer.

Trotzdem habe ich mich des Thema nach vielen Jahren mit demselben Equipment mal wieder angenommen – und das Herzstück einer digitalen Musikkette ausgetauscht: den DAC. DAC steht für „Digital Analog Converter“ – also das Ding, das aus den Daten wieder Musik macht. Schon lange erledigen das Mikrochips, die diese Aufgabe aus dem Ärmel schütteln und gleich sämtliche Formate verarbeiten. Was soll da noch besser gehen? 

Die Antwort ist überraschend: Weg mit den Chips. Die verschiedenen DACs mit integrierten Wandler-Chips klangen alle gut, ja. Aber „gut“ kannte ich ja schon. Die Überraschung schaffte erst ein unscheinbarer, so genannter R2R-Wandler. Ich werde nicht vorgeben, das Prinzip zu verstehen – aber im Grunde wird die Funktion mit einzelnen Widerständen abgebildet, nicht mit einem integrierten Schaltkreis. 

Widerstände statt Chips!

Tatsache ist: R2R ist technisch unterlegen, weil niemals so genau wie ein Chip. Meine Erkenntnis ist aber auch: R2R macht mehr Musik.

Endlich bekommen bekannte Tracks eine Entspanntheit zurück, die ihnen seit der CD gefehlt hat (oder die sie, weil jünger, noch nie hatten). Es geht nicht um „mehr Bass“ oder „mehr Auflösung“, sondern um die Selbstverständlichkeit der Wiedergabe, das Gefühl, sich in der Musik verlieren zu können und erst drei Tracks weiter wieder auf die Idee zu kommen, zu einem anderen Stück zu springen. 

DAS ist ein echter Fortschritt. In meinem Fall mittels eines so gar nicht mehr erhältlichen, umstrittenen Geräts aus einer Kickstarter-Aktion. Sicher nicht das Ende der Fahnenstange, aber großartig. Noch besser, und immer noch im rationalen Preisbereich: der Denafrips Ares.

Irrsinn, Hunderte von Euros auszugeben für ein Gerät, dessen Funktion im billigsten Smartphone, jedem Fernseher und sämtlichen Bluetooth-Speakern schon drinsteckt. Und das man, wenn schon, funktionsgleich auch für einen Zehner bekommen kann – mit identischen oder sogar besseren technischen Daten.

Kein Irrsinn, denn erstmals in der digitalen Ära kann ich „meine“ Musik wieder neu entdecken. Das sollte man sich wert sein, finde ich.

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