Die wollen doch nur spielen

„Überqualifiziert“ ist einer der Begriffe, die gleichzeitig Ehre und Ärger bedeuten. Ehre, weil die Fähigkeiten und die Erfahrung anerkannt werden. Ärger, weil es üblicherweise bedeutet, dass man einen Job nicht bekommt.

Wenn Fusion-Musiker der Spitzenklasse auf Pop- oder R&B-Aufnahmen spielen, sind sie oft genau das: überqualifiziert. Sie spielen Parts, die sie quasi „im Halbschlaf“ abspulen können. Deshalb wurden sie speziell in den 80er und 90-Jahren dafür auch gerne gebucht. Fusion-Asse wie Steve Gadd oder Greg Phillinganes brauchten keine „Anlaufzeit“, kaum Proben, und waren mit den üblichen Scores unterfordert. Deshalb konnten sie sich dann auf die Feinheiten konzentrieren (was gelegentlich zu erstaunlicher Kreativität führte, siehe Gadds Lick für „50 ways to leave your lover“ von Paul Simon https://youtu.be/CMpJRowfQ_8 ). Heute hört man Jazzer nur noch selten auf Pop-Aufnahmen – die meisten Produzenten glauben, ohne Virtuosität auszukommen und mit ProTools sich die Stücke zusammenpuzzeln zu können.

Und was, wenn doch? Dann entstehen manchmal Welterfolge wie Random Access Memories von Daft Punk, denen Fusion-Stars wie Nathan East oder Omar Hakim ihren unverkennbaren Stempel aufdrücken. Man höre sich nur Hakims Hi-Hat-Figuren in „Beyond“ an. Oder sie bekommen auch mal die Freiheit, in einem Song ein wenig mehr „Gas“ zu geben. Schönes Beispiel dafür ist „Take a Stab“ von Annekei:

Meistens geben sie sich allerdings ganz zahm und diszipliniert – nur um dann im letzten Moment der Aufnahme noch ein kleines Statement abzugehen. Hören Sie mal rein: In der letzten Sekunde des Fade-Outs kommt nicht selten ein Fusion-Lick durch. Zum Beispiel bei James Taylors „Line em up“ (Carlos Vega am Schlagzeug) https://youtu.be/bt5s-MUpXMc?t=274 oder bei Michael McDonald´s viel gesampeltem „I keep forgettin‘“ (Jeff Porcaro).

Die spielen dann eben doch – uns wenn’s nur ist, wenn schon keiner mehr hinhört.

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