Play it again, Dean

Ein Geständnis vorweg: Ich hasse Remixes. Diese Unsitte aus den 90er Jahren (davor auch ein bisschen, danach habe ich das Interesse endgültig verloren), bestehende Stücke durch einen Radio-Mix zu verstümmeln, einen Club-Mix zu entstellen oder durch einen DJ-Sonstwie vollends unkenntlich zu machen. Offenbar war a) der Ausgangssong einfach nicht gut genug oder b) der so genannte DJ nicht Musiker genug, etwas Eigenes zu produzieren. Aus dieser zweifelhaften Tradition ist inzwischen die paradoxe Situation der Gegenwart entstanden, dass die DJs die eigentlichen Stars sind und gar keine Originale mehr brauchen, die sie remixen können – weil die Sounddatenbanken auch so genügend Versatzstücke hergeben. Das Maximum an Authentizität sind dann noch die Popsternchen, die unter „feat. Mia Luna“ oder so ähnlich einen repetitiven Refrain trällern dürfen. Irgendwie traurig, sowas.

Schön hingegen ist, wenn gute Musiker einen Song nicht nur remixen, sondern neu interpretieren und sich zu eigen machen. Ich meine damit nicht die Cover-Versionen, bei denen Partybands versuchen, halbwegs wie das Original zu klingen (was bei Parties legitim ist – Hut ab vor denen, die es schaffen).

Ich meine so richtig gute Jazz- und Fusion-Musiker, die sich einen älteren Hit vorknöpfen und ihn auf links drehen. Wie das geht, zeigt in der hervorragenden Reihe „Studio Jams“ der legendäre Gitarrist Dean Brown. Er nimmt einen alten Hit von Donny Hathaway, „Valdez in the Country“. Zuerst bekannt geworden ist er durch die Band „Cold Blood„, populär gemacht durch George Bensons Album „In Flight„. Hören Sie sich die beiden Versionen mal in Ruhe an. Und klicken Sie dann auf das Video oben.

Faszinierend zu sehen und zu hören, wie ein Song neu entsteht, oder? Gut, Dean Brown hat sich auch geniale Mitstreiter ins Studio geholt: Den legendären Bassisten Jimmy Haslip von den Yellowjackets (ja, der spielt seinen Bass wirklich „falschrum

„), den Keyboarder Philippe Saisse und den sensationellen und zu Recht wenig bekannten Schlagzeuger Frank Briggs. Dean Brown selbst ist schon seit seiner Zusammenarbeit mit Billy Cobham in den späten 70ern eine feste Größe im Fusion-Jazz.

Und wenn Sie sich irgendwann wieder von den Coverversionen der Studio Jam-Reihe loseisen können, dann hören Sie sich auch mal durch Browns aktuelle

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Diskographie, vor allem die Live-Scheibe DB III mit Dennis Chambers und Will Lee. Geiles Zeug. Verzeihung. Aber auf jeden Fall können Sie danach die nächsten Club und House Remixes wieder etwas gelassener ertragen.

 

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