Trommeln für Clifford

Braucht die Welt Soloalben von Drummern? Ein Schlagzeuger ist schließlich ein klassischer „Sideman“, genau wie der Bassist. Nur wenige haben es geschafft, für mehr als ein paar Solo-Minuten aus dem Bühnenschatten nach vorne zu kommen. Billy Cobham ist das klassische Fusion-Beispiel, oder natürlich der „Übervater“ Buddy Rich. Und noch weniger Drummer haben daraus bemerkenswerte Soloalben gemacht (Cobham, klar – aber selbst die Diskographie von Steve Gadd hat mehr Tiefen als Höhen). Wenn dann doch, dann waren es oft merkwürdige Sammelsurien von Tracks, die über die Jahre eben so zusammengekommen sind. Also das Gegenteil von Konzeptalben, meistens getrieben vom Drang, auch mal „dran“ zu sein. Ein Beispiel dafür ist „My Turn“ von Idris Muhammad, wo genau das sogar in den Liner Notes steht (trotzdem belanglos, leider). Oder Schräges wie das Soloalbum von Kenwood Dennard. Oder Vorhersehbares wie die Scheiben von Dennis Chambers. Und so weiter.

Die Welt braucht die meisten dieser Alben nicht wirklich. Und dann kommt auch noch ein Drummer und produziert ein Album als Tribut an einen Trompeter. Kann das gutgehen?

Reflections of Brownie

(http://rayfordgriffin.com/reflections-of-brownie/)

Überraschenderweise: ja. Rayford Griffin hat mit seinem Album „Reflections of Brownie“ 2015 ein überraschend geschlossenes Werk vorgelegt. Fast alle Stücke sind vom bereits in den 50ern verstorbenen Trompeten-Shooting-Star Clifford Brown komponiert oder damals zumindest interpretiert worden. Griffin, durchaus ein Star unter seinesgleichen, hat sich dabei aber nicht damit begnügt, die Musik einfach wiederzugeben, sondern ihr seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Dabei ist er nicht in die Falle getappt, den Hard Bop der 50er krampfhaft zu modernisieren. Er nutzt seine eigene stilistische Bandbreite, um vom Swing bis zum tiefen, funky Groove neu zu interpretieren. Und das gelingt, nicht zuletzt dank seiner hochkarätigen Mitstreiter wie Roy Hargrove, Everette Harp oder auch Philippe Saisse.

Reflections of Brownie hinterlässt einen angeregt, aber nicht gelangweilt, interessiert, aber nicht ratlos. Gut genug jedenfalls, um gleich nochmal auf Play zu drücken. Definitiv keine Resterampe, kein „ich will auch mal“. Sehr empfehlenswert!

(Warum aber, fragt man sich trotzdem, wählt ein Schlagzeuger Clifford Brown? Einfache Erklärung: Griffin ist Browns Neffe!)

 

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